Besichtigung der Biogasanlage der Bio-Energie-Erzeugung GmbH Griesheim

„Hier handelt es sich im bundesweiten Vergleich um eine kleine Biogasanlage“ erwähnte Herr Lenhardt, der Geschäftsführer der Bio-Energie-Erzeugung GmbH Griesheim. Auf den ersten Blick machen die zwei Fermenter auf Fachfremde dennoch einen stattlichen Eindruck. Immerhin werden in einem der Fermenter über 1500m³ Substrat vergärt, und ein Behälter nimmt die Größe eines Mehrfamilienhauses ein.

 

Bereits Ende 2007 ging das Projekt in Betrieb und produziert seitdem Strom und Wärme auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen. Jährlich erfolgt eine Umsetzung von etwa 5000 Tonnen Maissilage unter Zugabe von Hühnermist in zwei Fermentern zu Biogas mit einem durchschnittlichen Methananteil von 53%. In einem angeschlossenen Blockheizkraftwerk wird aus dem Biogas in einen dafür ausgelegten Gasmotor eine elektrische Nennleistung von 250 KW und eine thermische Leistung von 300KW erzeugt. Der Strom wird in das lokale Netz eingespeist, was sich im Jahr auf eine Gesamtstrommenge von etwa 1890 MWh summiert. Die zusätzlich anfallende Wärme kommt zu einem kleinen Teil der Beheizung der Fermenter zu Gute, die Hauptmenge wird jedoch über ein Wärmenetz den Gebäuden umliegender Höfe bereitgestellt.

Im bundesweiten Durchschnitt liegt die installierte elektrische Nennleistung pro Biogasanlage bei etwa 440KW - bei einer Gesamtzahl von ca. 7500 Anlagen bundesweit (Quelle: Fachverband Biogas e.V, Stand: Ende 2012). Die Dimension der Griesheimer Anlage gehört damit nicht zu den Großbiogasanlagen, dies war aber auch gewollt, da sie auf lokale Bedürfnisse bzw. Ziele angepasst ist: da die meisten Ackerflächen in der Region vorwiegend für den Gemüseanbau genutzt werden, steht für den Energiepflanzenanbau eine begrenzte Fläche zur Verfügung. So war es Leitlinie bei der Planung und Errichtung der Biogasanlage, für die regionalen Landwirte den Energiepflanzenanbau für regionale Ackerflächen als Einkommensmöglichkeit zu schaffen, ohne dabei die Anbaustruktur und damit das gewachsene Landschaftsbild stark zu verändern. Ein Entstehen von großflächigen Energiepflanzen-Monoplantagen sollte in der Region Griesheim nicht gefördert werden, daher ordnet sich die Anlage im Bundesvergleich unterhalb des Durchschnittes ein.


Zu den bei der Baugenehmigung der Griesheimer Biogasanlage zu meisternden Genehmigungsverfahren berichtete Herr Martin Birli vom Architekturbüro Birli. Das lokal ansässige Büro war für die Planung und Betreuung der Genehmigung der Biogasanlage beauftragt. Den Ausführungen war zu entnehmen, dass auch bei der Zusammenarbeit mit den Behörden sich einige Forderungen zur Genehmigung ergaben, die für den Bauherren nicht ganz nachvollziehbar hoch waren. Hier wäre aus Sicht des Bauherren eine Vereinfachung deutlich anzustreben, da es sich bei den verwendeten Einsatzstoffen grundsätzlich um bekannte Naturprodukte mit abschätzbarem Gefährdungspotential handelt.


Während des Besuches erklärte Herr Lenhardt, dass sich die Biogasanlagenbetreiber stabilere Rahmenbedingungen für ihre Investitionen wünschen: in den letzten Jahren wurden die Rahmenbedingungen wie die Förderung von Biogasanlagen häufig geändert, sodass Investitionsentscheidungen ebenso häufig geprüft werden mussten. Sogar eine rückwirkende Streichung von Zuschüssen bzw. Vergütungen war in der Diskussion, was eine verlässliche Investitionsentscheidung aus Sicht der Investoren deutlich verschlechtert hätte.


Auch der Fachverband Biogas e.V. weist auf die unsichere Situation in der Biogasbranche hin und führt als Nachweis die Statistik des Neubaus auf: Gemäß Angaben des Verbandes ging der Biogas-Anlagenneubau in Deutschland im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 74% zurück.
Gemäß den Darstellungen der BEE Griesheim und des Fachverbandes Biogas auch eine Folge des Optimierungsbedarfes der gesetzgeberischen Rahmenbedingungen für Biogasanlagen. Hier könnte ein wichtiger Beitrag der Biogasenergie zur angestrebten Energiewende zurückgedrängt werden. Und das, obwohl Biogasenergie unter den regenerativen Energieerzeugungsvarianten besondere Vorteile besitzt: sie ist grundlastfähig und die Energie in Form von reinem Methan ist gut speicher- und transportierbar (z.B. über bestehendes Erdgasnetz). Zudem könnten bisher ungenutzte Energiequellen erschlossen und genutzt werden wie z.B. Bioabfälle.  

 

Autor:Adrian Feichtinger

(FDP Ortsverband Darmstadt-Ost)