Unsere Stadt kann schöner werden

Unsere Stadt kann schöner werden
So hat Darmstadt einmal ausgesehen...

Ideen zur Stadtentwicklung

 

Betrachtet man verschiedene Städte, insbesondere im Westen Deutschlands. So kann man deutliche Differenzen in ihrer Urbanität und Attraktivität feststellen. Studentenstädte wie Freiburg, Osnabrück oder Münster werden zumeist mit dem Prädikat besonderer Urbanität und Attraktivität belegt. Dies ist sicherlich zum einen ein Ausfluss ihrer historischen Entwicklung und zum anderen das Ergebnis eines bestimmten aktiven Gestaltungswillens. Insbesondere die zwei letztgenannten Städte weisen historische Parallelen zu Darmstadt auf.

Sie wurden in ihrem Stadtzentrum zu über 90 % durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Gegensatz zu Darmstadt erfolgte der Wiederaufbau jedoch weitgehend dem historischen Stadtgrundriss folgend und in kleinteiliger Bauweise. Der Wiederaufbau in Darmstadt hingegen, insbesondere im Gebiet der Altstadt war durch eine sehr weitgehende Negation des ursprünglichen Straßenrasters unter dem Primat des Gedankens der „autogerechten Stadt“ geprägt. Sehr deutlich wird dies, wenn man vom Schloss entlang der Landgraf-Georg-Straße in Richtung Osten blickt. Dieses Areal, welches einst einen Großteil der historischen Altstadt umfasste, ist von besonderen Defiziten geprägt. Urbanität, Identität und städtisches Flair sind hier kaum vorhanden.

 

Fast das gesamte Areal befindet sich im Besitz von Institutionen der öffentlichen Hand (Universität, Stadt Darmstadt und Bauverein) und weist keine oder nur eine geringe Bebauungsdichte auf. Verstärkt werden diese Defizite im Stadtkern noch durch den angrenzenden Cityring. Dieser separiert das genannte Areal zusätzlich vom zentralen stadtbildprägenden Gebäude, des Darmstädter Schlosses ab.

 

Aus dieser Zustandsbeschreibung kristallisieren sich nun zwei Kernelemente einer möglichen Stadterneuerung heraus. Erstens: Eine neugebaute Nordostumgehung könnte einen Großteil des Durchgangsverkehrs, der derzeit über den Cityring geleitet wird, aufnehmen. Der verbleibende innerstädtische Verkehr würde über die Verkehrsachse Hügelstrasse-Nieder Ramstädter Straße-Teichhausstraße umgeleitet. Ein Rückbau des Cityrings ermöglichte es, die zentrale Platzstruktur um das Darmstädter Schloss verkehrsfrei neu zu gestalten. Die ehemaligen großherzoglichen Monumentalbauten (Schloss, Landesarchiv und Landesmuseum) erhielten wieder einen würdigen städtebaulichen Rahmen. Zweitens: Das Areal beiderseits der Landgraf-Georg-Straße könnte in einem langfristigen städtischen Entwicklungsplan zu einem urbanen, belebten und verdichtet bebauten Stadtviertel entwickelt werden, welches seine Historie als zentraler Entstehungskern Darmstadts nicht länger leugnet.

 

Entscheidend hierfür wäre eine teilweise Rückkehr zum historischen Stadtgrundriss und eine kleinteilige dichte Bebauung unter den Maßgaben einer Gestaltungssatzung. Ziel dieser Maßnahmen sollte es sein, mit modernen Bauten das urbane Flair eines historischen Stadtzentrums teilweise zurückzugewinnen. Mit einbezogen werden in ein solches Stadtreparaturkonzept sollte auch die unbebaute Fläche zwischen Lindenhofstraße und Woogsplatz. Neben diesen zwei Bausteinen der Stadterneuerung bieten sich noch weitere Maßnahmen an. So könnte auch die Achse Mathildenplatz-Kuppelkirche städtebaulich aufgewertet werden.

 

Im Bereich der Fußgängerzone in der Wilhelminenstraße ließen sich die derzeitigen Pflanzinseln zu einem mittig in der Straße angebrachten begrünten Pflanzstreifen mit Alleencharakter zusammenfassen. Im Bereich des Luisenplatzes böte es sich an, das zum Verkauf stehende repräsentative historische Gebäude des Regierungspräsidiums zu erwerben und zum Rathaus der Stadt Darmstadt umzubauen. Diese genannten Bausteine einer Stadterneuerung trügen so, zur Schaffung und Akzentuierung der städtebaulichen Identität Darmstadts und zur  Förderung der Aufenthaltsqualität im Stadtkern bei. Der Kreis der Betrachtungen schließt mit dem Gedanken: Was Freiburg, Osnabrück und Münster können, kann Darmstadt auch. Man muss es nur politisch wollen, denn die Urbanität und die wahrgenommene Attraktivität einer Stadt sind das Ergebnis eines aktiven zielorientierten Gestaltungswillens.

 

Autor: Jens Johnen